Freitag, 31. Oktober 2008
Datenbank ade
Themen: Büroalltag, Computer
Soeben erfahre ich, daß das Datenbankprojekt, mit dem ich den größten Teil dieses Jahres verbracht habe, Mitte November ausläuft. Also praktischerweise genau mit dem Beginn meines Urlaubs zusammenfallend.

Schade – es hat Spaß gemacht. Und wenn ich (als diejenige, die die Datenbank aufgebaut und (sagen wir mal) gestaltet hat) das so sagen darf: es ist eine ziemlich hübsche Datenbank.

Aber andererseits: Juhu! Nie wieder Rumärgern mit vom OEM seltsam implementiertem SQL!

(SQL ist ja an und für sich eine sehr schöne Sprache. Oder so schön, wie eine Datenbankabfragesprache halt sein kann, wenn sie mit dem expliziten Ziel entwickelt wurde, auch von Leuten ohne Computererfahrung benutzt werden zu können, wenn diese die englische Sprache halbwegs beherrschen. Allerdings sollte man seine Datenbanksysteme doch bitte so implementieren, daß eine formal korrekte Suchanfrage genau die Einträge findet, auf die die angegebenen Bedingungen zutreffen, und keinen mehr und keinen weniger. Die daraus resultierende Verwirrung raubt einem wertvolle Arbeitszeit.)

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E-Wahl-Debakel
Themen: Politik, Computer, Usability
Bei der Kommunalwahl in Finnland letzten Sonntag wurden in drei Kommunen Wahlcomputer eingesetzt. Zum Glück nicht in meiner; und da, wo sie eingesetzt wurden, zum Glück auch nur als Alternative zur Zettel-und-Stift-Wahl, es wurde also niemand gezwungen.

Jetzt hat sich herausgestellt, daß es mit diesen Computern ein Problem gab. (Neeeeeein! Ein Problem?? Mit Wahlcomputern??? Wer hätte denn mit sowas rechnen können?) Und zwar wurden mehr als 200 Stimmen nicht mitgezählt – diese Wähler hatten ihre Stimme zwar eingetippt, aber irgendwie wurde die Stimme nicht abgespeichert, ging also verloren.

In den ersten (zugegebenermaßen sehr vagen) Medienberichten hörte sich das für mich am ehesten nach einem Computerfehler an; womöglich hatten die Wahlcomputer ab und zu einen „Schluckauf“ gekriegt und so ein „Schluckauf“ im falschen Moment kann ja vielleicht zu gewissen Problemen führen (also beispielsweise dazu, daß eine soeben eingegebene Stimme versehentlich nicht abgespeichert wird oder so).

Inzwischen habe ich aber aus der diesbezüglichen Pressemitteilung (finnisch; englische Zusammenfassung) der Electronic Frontier Finland erfahren, daß es sich um eine Kombination aus exorbitant schlechtem Design und falsch geplanten Tests handelte.

Die Wähler waren anscheinend nicht oder nur unzureichend darüber informiert worden, daß man, nachdem man seinen Wunschkandidaten eingetippt hatte, nicht nur einmal, sondern zweimal auf die OK-Taste drücken mußte. Bei den 200, deren Stimmen nicht abgespeichert wurden, handelt es sich anscheinend überwiegend um Leute, die nach dem ersten „OK“ heimgegangen waren.

Die Computer waren zwar vorher getestet worden, aber anscheinend nicht von einer Testgruppe, deren Zusammensetzung auf irgendeine Weise die Zusammensetzung der wahlberechtigten Bevölkerung darstellte (wozu z. B. auch eine technophobe alte Oma, die Angst gehabt hätte, versehentlich auf den Selbstzerstörungsknopf zu drücken, und ein resoluter Mensch ohne jegliche Computererfahrung, der das Ding beim ersten Problem – also quasi sofort – mit Fußtritten traktiert hätte, gehören müßten; denn sonst wissen die Entwickler ja gar nicht, welche Stellen sie mit extra-trittfesten Stahlplatten verkleiden müssen). Nein, die Computer waren anscheinend nur von den Entwicklern selber getestet worden. Und wer schon mal etwas entwickelt, dann selber getestet und dann gleich auf den Markt geworfen hat, weiß, auf wie viele verschiedene und faszinierende Arten das ins Auge gehen kann...

(In so eine Testgruppe gehört natürlich auch ein „Spielkind“, also jemand, der einfach so aus Jux völlig sinnfreie Eingaben macht. Hach, ich erinnere mich noch an meinen ersten Softwaretest: Ein Freund von mir hatte für irgendeinen Kurs eine einfache Datenbankanwendung programmiert und bat mich, sie zu testen. Auf dem Begrüßungsbildschirm stand in etwa: „Willkommen in der Datenbank! Bitte wählen Sie eine der folgenden Funktionen: (erstens, zweitens, drittens, viertens, fünftens) oder drücken Sie die 0, um das Programm zu beenden.“ Woraufhin ich natürlich zuallererst einmal Ctrl-Shift-F7 drückte und das Programm zu meiner großen Freude abstürzte. Mein Freund wunderte sich, daß ich es viel schneller zum Absturz gebracht hatte, als er erwartet hatte – wie sich herausstellte, war er gar nicht auf die Idee gekommen, daß es vielleicht Leute geben könnte, die auf eine andere als eine der sechs vom Programm verlangten Tasten drücken. Aber mit sowas muß man halt immer rechnen. Auch bei Wahlcomputern, was mich wieder zurück zum Thema bringt.)

Außerdem gab es mit mindestens einem Touchscreen technische Probleme, so daß man – entweder weil der Touchscreen selber nicht richtig eingestellt war oder weil das System überlastet war – Tasten mehrmals drücken mußte, bevor der Wahlcomputer eine Reaktion zeigte. Ein Opfer sein Wahlrecht ausüben wollender mündiger Bürger berichtete sogar von „minutenlangem vergeblichem Drücken“ des OK-Knopfes. (Jetzt frage ich mich natürlich, womit um alles in der Welt ein System, auf dem – zumindest wenn alles mit rechten Dingen zugeht – nur eine einzige Applikation läuft, nämlich die, die den Bildschirminhalt kontrolliert und Tastendrücke aufaddiert, denn überlastet sein soll.)

Naja, ich weiß schon, warum ich im Zweifelsfalle auf Briefwahl umsteigen würde...

EFFi (und ein paar andere Gruppen) fordern jetzt erstens, daß die Wahl in den betroffenen Kommunen wiederholt wird (und zwar mit der altvertrauten Zettel-und-Stift-Methode), und zweitens, daß man die Wahlcomputer an der tiefsten Stelle des Meeres versenkt und nie wieder davon spricht. (OK, ganz so drastisch haben sie es nicht formuliert, aber die Pressemitteilung klang doch recht pikiert. Unter anderem wird – außer der Wiederholung der Wahl in den betroffenen Kommunen – der Rücktritt der Verantwortlichen (was die Justizministerin einzuschließen scheint) und die Erklärung des Wahlcomputer-Experiments für ein- für allemal beendet gefordert.)

Ich hoffe, die Verantwortlichen nehmen sich das zu Herzen. Denn gerade bei Kommunalwahlen entscheidet sich ja oft durch nur eine Handvoll Stimmen in die eine oder andere Richtung, welcher Kandidat den letzten freien Platz im Stadtrat ergattert und wer leider draußen bleiben muß. Deshalb kann man sich jetzt nicht mit „waren doch nur 200 Stimmen, die können doch keinen so großen Unterschied machen“ herausreden. In diesen drei Kommunen entspricht die Anzahl der verlorengegangenen Stimmen immerhin etwa 2% der Wahlberechtigten – und wie gesagt, gerade in Kommunalwahlen geht es oft darum, ob ein Kandidat fünf Stimmen mehr oder weniger hat, und in diesem Licht sind zweihundert eine geradezu astronomische Zahl.

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